Artikel unter 'Bolivien'

I. Gesetzliche Erbfolge (Bolivien)

Das bolivianische Erbrecht kennt 5 Ordnungen der gesetzlichen Erben. Das sind der Reihe nach die Abkömmlinge des Erblassers, die Aszendenten, die Ehegatten bzw. Lebensgefährten, die Verwandten in der Seitenlinie und der Staat.

Die Besonderheit des bolivianischen Erbrechts ist, dass in jeder Linie der vom Grad her nähere Verwandte den vom Grad her ferneren Verwandten vom Erbe ausschließt. Dieser Grundsatz kann jedoch durchbrochen werden, wenn das sog. Repräsentationsprinzip greift. Dieses beinhaltet, dass die unmittelbaren Abkömmlinge eines gradnächsten Verwandten nach Stämmen (Teilung des Erbes nach Stämmen) erben, wenn ihr Vorfahre bspw. vorverstirbt oder erbunfähig ist. Dieses Repräsentationsprinzip kommt allerdings nur den Verwandten der direkt absteigenden Linie und den Kindern von Geschwistern zugute.

Die Ehegatten erben soweit Kinder oder Abkömmlinge vorhanden sind zur gleichen Quote wie diese. Sind nur Aszendenten des Erblassers vorhanden erbt der Ehegatte die Hälfte. Gibt es nur noch Seitenverwandte schließt der überlebende Ehegatte diese von der Erbschaft aus.

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II. Testamentsformen (Bolivien)

Im bolivianischen Erbrecht gibt es keine gemeinschaftlichen oder gegenseitigen Testamente. Die Errichtung eines Testaments ist ein höchstpersönlicher Akt und kann daher nicht unter Bevollmächtigung erfolgen. Das bolivianische Erbrecht kennt zwei Formen des Testaments: das ordentliche und das außerordentliche Testament.

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III. Pflichteilsansprüche (Bolivien)

Die Testierfreiheit wird in Bolivien durch das Noterbenrecht eingeschränkt. Genauer gesagt, wird das Noterbenrecht der testamentarischen Erbfolge vorangestellt. Wie hoch der Anteil des Noterbenrechts ist, hängt vom Verwandtschaftsgrad der Noterben ab.
Soweit der Erblasser Kinder oder Enkelkinder hat fallen ihnen vier Fünftel des gesamten Nachlasses zu. Adoptivkinder sind leiblichen Kindern gleichzustellen. Hat der Erblasser keine Kinder so steht den Aszendenten zwei Drittel des Erbes zu. Sind diese bereits verstorben fällt dieser Teil dem überlebendem Ehegatten zu. Soweit neben dem Ehegatten noch Abkömmlinge des Erbens existieren, beträgt das Noterbe für alle Beteiligten vier Fünftel. Treffen Ehegatte und Aszendenten zusammen, gilt Gleiches mit der Ausnahme, dass der Noterbteil zwei Drittel beträgt.
Es gilt jedoch zu beachten, dass die Quoten unter Umständen auch geringer ausfallen können. Dies hängt mit der Berechnung bzw. Feststellung des Gesamtnachlasses zusammen.

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IV. Nachlassverfahren (Bolivien)

Auch in Bolivien gibt es eine Erbengemeinschaft. Diese ist sozusagen der Zustand der ungeteilten Erbschaft. Die Erbengemeinschaft löst sich somit mit der Nachlassteilung auf. Die Auseinandersetzung mit dem Nachlass kann in zwei Fällen unproblematisch außergerichtlich stattfinden. Zum einen wenn sich die Erben im Einvernehmen über die Teilung des Erbes einigen und zum anderen wenn eine testamentarische Erbteilung vorgesehen wurde.

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V. Kollisionsrecht (Bolivien)

Hinsichtlich des anzuwendenden Rechts knüpft das bolivianische Recht unabhängig von der Staatsangehörigkeit immer an den Ort des letzten Wohnsitzes des Erblassers an. Soweit der Erblasser im Ausland verstorben, tritt der Erbfall am letzten Wohnort in Bolivien ein. Das hat zur Folge, dass hat zur Folge, dass auf das sich in Bolivien befindende Vermögen immer das bolivianisches Erbrecht angewendet wird, was wiederum zu Nachlassspaltung führen kann, wenn der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz und Vermögen im Ausland hatte.

Zur Beantwortung der Frage, ob ein Testament formwirksam erstellt worden ist, sollen im Wesentlichen die von Bolivien abgeschlossenen Staatsverträge oder hilfsweise die bolivianischen Formvorschriften als Kriterien herangezogen werden.
Im Ausland lebende Bolivianer können dort ihr Testament nach den Formvorschriften ihres Wohnsitzes errichten

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