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Wie errichtet man ein wirksames Testament nach dänischem Recht?

Der Erblasser kann im dänischen Recht durch Testamente Erben einsetzen, aber z.B. auch Testamentsvollstreckung oder die Einbringung seines Vermögens in eine Stiftung anordnen. Ein Testament setzt für seine Wirksamkeit voraus, dass es frei von Zwang und wesentlichen Irrtümern im Zustand der Testierfähigkeit errichtet worden ist und die Formvorschriften wahrt. Testierfähig ist grundsätzlich jede volljährige Person, der nicht wegen Geisteskrankheit, vorübergehender Geistesstörung oder ähnlichen Zuständen die Einsichtsfähigkeit fehlt.

Ordentliches Testament
Das ordentliche Testament wird meistens schriftlich durch den Erblasser vor einem Notar errichtet und unterschrieben. Durch Erklärung auf der Testamentsurkunde bestätigt der Notar dabei die Identität des Verfassers sowie seine Testierfähigkeit. Statt eines Notars können aber auch zwei Zeugen bei der Testamentserrichtung zugezogen werden, in deren Gegenwart das Testament unterschrieben bzw. von diesen anerkannt werden muss.

Außerordentliches Testament
In bestimmten Notsituationen, z.B. wenn der Erblasser wegen Krankheit daran gehindert ist, in den vorgesehenen Formen ein Testament zu errichten, sind Nottestamente vorgesehen. Dabei genügt die mündliche Errichtung in Gegenwart von zwei Zeugen oder die schriftliche Niederlegung des letzten Willens ohne Beiziehung von Zeugen oder Notar. Nottestamente indes ihre Wirksamkeit, wenn die außergewöhnlichen Umstände vor dem Tod des Erblassers für mindestens Monate entfallen waren, sodass er Gelegenheit hatte, ein herkömmliches Testament zu errichten.

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Gesetzliche Erbfolge in Dänemark

Das dänische Erbrecht sieht vor, dass ein verheirateter Erblasser durch den Ehepartner beerbt wird, im Übrigen fällt der Nachlass an die Verwandten.  Dabei erben vorrangig die Kinder.

Der Ehepartner
Die erbrechtliche Stellung eines überlebenden Ehepartners hängt davon ab, ob der Verstorbene auch Kinder hinterlässt. Sind keine Kinder vorhanden, wird er Alleinerbe. Neben Kinder erhält er dagegen nur die Hälfte des Nachlasses. Dabei hat er aber das Recht, bestimmte Gegenstände, die nur dem persönlichen Gebrauch dienen, im Voraus aus dem Nachlass abzusondern. Erreicht sein Anteil am Gesamtvermögen der Eheleute, der ihm güterrechtlich zusteht, Ansprüche aus Lebensversicherungen etc. sowie sein Erbteil zusammen nicht einen bestimmten Höchstbetrag (derzeit 600000 dK), kann er bis zu dieser Vermögensgrenze stets weitere Gegenstände aussondern.  Daneben kann dem überlebenden Ehepartner ein Zahlungsaufschub um bis zu fünf Jahre gewährt werden, wenn er die Erbansprüche eines oder mehrerer Abkömmlinge nicht begleichen kann, ohne Immobilien oder sonstige zur Haushaltsführung oder Erwerbstätigkeit benötigte Gegenstände zu verkaufen.

Erbrecht der Verwandten
Gesetzliche Erben sind Abkömmlinge, Eltern und Geschwister, Großeltern und Tanten und Onkel des Erblassers. Sie erben in der genannten Reihenfolge, das Vorhandensein von näher verwandten Personen schließt das Erbrecht sonstiger Verwandter aus. Vorrangig erben also die Kinder bzw. Adoptivkinder des Erblassers zu gleichen Teilen. Ist dieser kinderlos verstorben, erben je zur Hälfte Vater und Mutter. Ist ein Kind oder Elternteil des Erblassers bereits vorverstorben, treten an seine Stelle jeweils dessen Abkömmlinge, d.h. (Ur-)Enkelkinder oder Geschwister des Erblassers. Sind auch keine Eltern oder Geschwister vorhanden, fällt je die Hälfte der Erbschaft den Großeltern mütterlicherseits und väterlicherseits zu. Entferntere Verwandte, z.B. Cousins, sind keine gesetzlichen Erben.
Abweichungen von der gesetzlichen Erbfolge können sich z.B. ergeben, wenn der Erblasser verwitwet war und beim Tode seines Ehepartners gesetzlicher Alleinerbe geworden war oder von seinem Aussonderungsrecht Gebrauch gemacht hatte. Dann kann es zu einer Teilung des Nachlasses kommen, sodass z.B. auch die Eltern des erstverstorbenen Ehepartners erben können.

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