Artikel unter 'Eritrea'

Das Erbrecht in Eritrea

Das Erbrecht in Eritrea

Abschnitt 1: Einführung

Eritrea hat erst 1993 seine Unabhängigkeit von Äthiopien erreicht. Maßgeblichen Einfluss auf die Rechtssituation hatte deshalb noch die äthiopische Verfassung von 1955 mit der Kodifikation von Zivil-, Straf- und Verfahrensrecht. Westlich geprägtes Rechtsgut nahm Einfluss und wurde von Eritrea auch nach der Unabhängigkeit beibehalten. Erbrechtlich bedeutsam ist daneben das Zivilgesetzbuch von 1960. Inhaltlich erfolgte eine Anlehnung an den französischen Code Civil, Aufbau und Gliederung entsprechen dem schweizerischen ZGB.

Abschnitt 2: Internationales Erbrecht

Das Erbrecht Eritreas kennt keine Vorschriften über das internationale Privatrecht. Ansatzpunkt ist deshalb im Wesentlichen die Domiziltheorie, die für die Anwendung bestimmter Rechtsvorschriften auf den Wohnsitz abstellt. Die Anwendbarkeit dieses Erbrechts ist aber ausgeschlossen, wenn der Hinterbliebene Moslem war. Dann hat das islamische Recht Vorrang.

Abschnitt 3: Erbrechtliche Grundsätze

Das Erbrecht Eritreas kennt eine Gesamtrechtsnachfolge, in der der Erbe, aber auch ein Vermächtnisnehmer die Rechte und Pflichten des Erblassers weiterführt. Dies gilt allerdings nicht, wenn es um eine Versicherung geht. Diese fällt ebenso wenig in den Nachlass, wie bestimmte Renten und Ersatzleistungen.

Abschnitt 4: Gesetzliche Erbfolge

Die gesetzlichen Erben sind in einer Folge von vier Rangordnungen dargestellt, wobei vorrangig die Kinder zu gesetzlichen Erben berufen sind. Erben zweiter Ordnung sind die Eltern. Erst an letzter Stelle, also nach den in dritter Ordnung folgenden Großeltern, ist der Ehegatte in der vierten Ordnung berufen. Das ergibt sich daraus, dass dieser als Nachlassgläubiger behandelt wird und vor einer Nachlassteilung vorrangig zu befriedigen ist.

Abschnitt 5: Testamentarische Erbfolge

Im eritreischen Recht gibt es keine Pflichtteilsansprüche. Der Erblasser kann grundsätzlich frei verfügen und ist nur durch eine etwaige familienrechtliche Auseinandersetzung und Unterhaltsansprüche bezüglich der engeren Verwandtschaft beschränkt. Als Testamentsformen sind das öffentliche, das holografische und das mündliche Testament zugelassen.

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Böh


Themen

Links

Feeds