Artikel unter 'Israel'

I. Vermögenskategorien (Israel)

Aufgrund der besonderen Vergangenheit Israels gibt es dort drei verschiedene Vermögenskategorien, die zunächst erläutert werden müssen.

- „Miri-Land“ ist der Boden, der sich mit Inkrafttreten des Ottomanischen Bodengesetzes um das Jahr 1858 außerhalb des bebauten Gebiets von Siedlungen und Städten befand. Das bedeutet natürlich, dass die meisten neuen Siedlungen und Städte in Israel auf eben solchem Land errichtet worden sind.
Auf das Miri-Land ist nur das gesetzliche Erbrecht anzuwenden. Demnach scheidet eine testamentarische Verfügung über dieses Land mit Ausnahme von Raumeinheiten in Gemeinschaftsräumen aus.

- „Mulk-Land“ ist im Wesentlichen das Land, welches sich durch die alten Stadt- und Dorfgrenzen vom „Miri-Land“ abgrenzt. Über dieses Land darf nach wie vor frei verfügt werden. Wurde kein Testament hinterlassen, wird entsprechend das gesetzliche Erbrecht angewendet.

- Bewegliches Vermögen ist alles Vermögen, was nicht unbewegliches Vermögen ist

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II. Gesetzliche Erbfolge (Israel)

Das israelische Erbrecht weist einige Parallelen zum deutschen Erbrecht auf. Auch hier werden die gesetzlichen Erben in verschiedene Grade eingeteilt. Zudem gilt auch hier grundsätzlich das Repräsentationsprinzip. Das bedeutet, dass ein vorverstorbener Erbe von seinen Nachkömmlingen ersetzt wird, die dann jeweils zu gleichen Teilen den Erbteil des vorverstorbenen Erben erhalten.
Die gesetzlichen Erben des ersten Grades sind die Kinder sowie im Wege der Repräsentation die Enkelkinder. Die Erben des zweiten Grades sind die Eltern und deren Abkömmlinge. Die erben des Dritten Grades sind dann die Großeltern und deren Abkömmlinge.

Im israelischen Erbrecht gibt es jedoch die Besonderheit, dass neben dem überlebenden Ehegatten auch die Eltern automatisch einen Anteil am Erbe neben den Erben des ersten Grades erhalten. Der überlebende Ehegatte erbt einen festen Anteil von einem Viertel. Die Eltern teilen sich einen festen Anteil von einem Sechstel. Den Rest erhalten die verbliebenen Kinder zu gleichen Teilen, bzw. deren jeweilige Repräsentanten. Wichtig hierbei ist, dass es bezüglich des Elternerbrechts in diesem konkreten Fall keine Repräsentation durch weitere Abkömmlinge gibt. Das bedeutet, dass der Erbteil, der den Eltern zufallen würde, automatisch den Nachkommen des Erblassers zugute kommt, wenn die Eltern bereits verstorben sind.

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III. Testamentsformen (Israel)

Aufgrund der hohen Dichte verschiedener Religionen in Israel werden neben dem weltlichen Testament auch die Nachlassformen der unterschiedlichen, anerkannten Religionen akzeptiert.

Die formellen Voraussetzungen für ein weltliches Testament sind folgende:
- Das Testament muss schriftlich abgefasst werden
- Unterzeichnung oder Siegelung durch Testator selbst oder durch eine von ihm beauftragte Person in Gegenwart von zwei Zeugen unterzeichnet werden
- Die Zeugen müssen mindestens 18 Jahre alt sein und dürfen im Testament nicht bedacht werden.

Für islamische Erblasser gilt ausschließlich das islamische Erbrecht. Jüdische, christliche und religionslose im Inland lebende Israelis können neben der religiösen Erbfolge auch ein weltliches Testament verfassen, um ihren Nachlass zu regeln. Für in Israel lebende Ausländer gelten grundsätzlich die Testamentsformen ihrer Heimatländer.

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IV. Nachlassverfahren (Israel)

Eine Erbengemeinschaft wie es das deutsche Recht kennt, gibt es Israel nicht. Vielmehr werden die jeweiligen Anteile der Erben durch ihren Erbschein im Grundbuch eingetragen.
Der Erbschein oder die Bestätigung Erbe zu sein muss beim jeweils zuständigen Gericht beantragt werden. In Betracht kommen je nach Fall ein ordentliches oder ein religiöses Gericht.

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V. Kollisionsrecht (Israel)

Da es innerhalb von Israels Recht schon kollidierendes Recht gibt (religiöses/ weltliches), werden in Israel lebende Ausländer wie eine eigene Gruppe behandelt. Für Ausländer besteht Testierfreiheit (mit Ausnahme von muslimischen Ausländern, für sie gilt das islamische Erbstatut). Sie können über alles (bis auf Miri-Land) frei verfügen. Für die formelle Wirksamkeit eines Testaments eines Ausländers genügt es, wenn es den Anforderungen des in seinem Herkunftsland angewandten Erbstatuts entspricht. Allerdings ist auch ein solches Testament wirksam, welches den formellen Anforderungen eines weltlichen, israelischen Testaments genügt. Über die inhaltliche Wirksamkeit des Testaments hat das ausländische Gericht zu entscheiden.
Soweit kein Testament vorliegt, ist das gesetzliche israelische Erbrecht anzuwenden. Soweit ein Land aufgrund seines internationalen Privatrechts der Auffassung ist, dass anderes Recht angewendet werden muss, ist in diesem Land der Nachlass nach diesem Erbrecht abzuwickeln. In diesem Fall käme es zu einer Nachlassspaltung.

Das sich im Ausland befindliche Vermögen eines Israeli unterliegt nach israelischem Kollisionsrecht dem israelischen Erbstatut. Allerdings muss das ausländische Kollisionsrecht auch zu dem Ergebnis kommen, dass in diesem Fall israelisches anzuwenden ist (in Deutschland, wo an die Staatsangehörigkeit angeknüpft wird, ist dies der Fall), damit der Nachlass dem israelischen Erbstatut unterliegt.

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